Aerobic Choreography Classic Vol. 1 mit Praxisvideo

Ich habe das unbändige Bedürfnis verspürt, mich einmal voll und ganz dem Thema Aerobic Choreography zu widmen. Mitte der 90er Jahre fehlte Aerobic in keinem Kursraum. Die Choreos wurden...
Aerobic Vol 1 Grapevine

Ich habe das unbändige Bedürfnis verspürt, mich einmal voll und ganz dem Thema Aerobic Choreography zu widmen. Mitte der 90er Jahre fehlte Aerobic in keinem Kursraum. Die Choreos wurden immer exotischer und viele Studios engagierten Top Presenter, um den Aerobic Hunger der Studiomitglieder zu stillen.

Aerobic Choreography Grapevine

Aerobic Choreography Grapevine


Aerobic Choreography im Wandel der Zeit

Dann hat sich die Kurslandschaft aber deutlich gewandelt. Die Kursteilnehmer wollten immer mehr weg von den schweren Choreos hin zu choreografisch weniger anspruchsvollen Kursinhalten. Zwischenzeitliche neue Trends (wie z.B.  Dance Aerobic) gingen wieder voll in Richtung komplexe Choreography. Heute haben neue populäre Formate wie Zumba® oder Bokwa® den Kursraum erobert. Dort werden einfache Elemente des Tanzes präsentiert, die fast jeder umsetzen kann.  Vielleicht wird die klassische Aerobic in den nächsten Jahren ja  eine Auferstehung erleben. Denkbar wäre es.

Die heute vorgestellte Aerobic Choreography

Ich beginne mit einem Grapevine/Marschieren und füge einen Double Curl ein

Dann füge ich einen Six Point Mambo ein. Ich achte immer darauf, symmetrisch zu arbeiten. (Sowohl bei 8 Counts, 16 Counts und 32 Counts) füge ich immer „Füllschritte“ hinzu, um jederzeit „in der Musik“ bleiben zu können. Diese Füllschritte ändere ich dann stückweise per Layering- oder Add on Methode um. Das hat den Vorteil, dass die Kursteilnehmer in Bewegung bleiben können, während ich Änderungen einbaue und zeige.

Es folgen ein Chasse (optional mit Turn) und ein Repeater Knee 4 die ich zufüge.

Nach dem Chasse füge ich zwei Mambos (optional Mambo Cha-Cha) ein.

Den am Anfang eingeführten Double Curl Schritt nach dem Grapevine ändere ich in einen gesprungenen „Heel“ mit Kick um. Das sorgt für etwas mehr Impact. (Für die „HF-Jäger)

Es folgt die Änderung des Repeater: Daraus werden „Shuffle-Knees“.

Die letzte Änderung ist der Twist, der ganz am Ende eingefügt wird.

Auch wenn Aerobic Choreography vielleicht nicht mehr ganz so populär ist, wie noch vor einigen Jahren, überkommt mich immer mal wieder ein wenig Sehnsucht. Ich baue dann einen Block in meine Fatburner Stunden ein, oder mache einen 32er Block zum Bestandteil eines Intervall Programms. Meine Teilnehmer kennen mich da mittlerweile und lieben diese kleinen Ausflüge. Abwechslung ist halt immer noch das richtige Gewürz für schöne „Erlebniskurse“. Das hat sich bis heute nicht geändert 🙂

Hast du da ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist Aerobic Choregraphy für dich noch ein Thema? Oder würdest du Aerobic liebend gerne mal wieder umsetzen?

Das folgende Praxisvideo wird dir bestimmt weiterhelfen, die einzelnen Schritte den Begriffen zuzuordnen. Ich habe jede Änderung des Blockes mit einem hervorgehobenen Text im Video gekennzeichnet.
Jetzt auf zur Praxis und viel Spaß bei der Umsetzung. Ich würde mich übrigens sehr über Kommentare freuen. Wenn dir das Video gefallen hat, freue ich mich auch über einen „Daumen nach oben“ auf Youtube. Wenn du dann noch meinen Kanal abonnieren würdest (absolut kostenfrei), wäre ich rundum glücklich 😉

Gruß Alex

Viele weitere Ideen und Beispiele zum Thema
High Lo Kombis
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Wissenswertes

Richtig populär wurde Aerobic im Jahr 1982 durch Jane Fonda. 
Official Site – Jane Fonda – Aerobic Pioneer

In Deutschland wurde Aerobic etwas später (1983) bekannt, nachdem es die ersten Programme im TV zu bewundern gab. Dies löste einen unglaublichen Boom vor allem bei den jüngeren Menschen aus. Jedoch war Aerobic nicht unumstritten. Viele der Bewegungen waren nach Meinung einiger Experten nicht für alle Trainierenden geeignet.
Aerobic wird zu Musik in einem Tempo von 140-155 BPM ausgeführt (Variationen nach oben und unten sind natürlich möglich). Man unterscheidet drei Hauptkategorien: Low Impact Aerobic – Es werden keine Sprünge ausgeführt, ein Bein hat also immer Bodenkontakt. Hi/Low Aerobic – Beinhaltet in variablen Anteilen Sprünge als auch Low Impact Schritte. Hi Impact Aerobic: Der Schwerpunkt liegt auf vielen Sprüngen (kurze Bodenkontaktzeiten = höhere Musikgeschwindigkeit). Aerobic wird von einem speziell ausgebildeten Trainer unterrichtet. Seine Hauptaufgaben liegen nicht nur in der Vermittlung der Schrittkombinationen, sondern auch in der Korrektur der Teilnehmer im Hinblick auf sichere Ausführung. Darüberhinaus soll der Aerobic Trainer natürlich motivieren und animieren (Gruppendynamik). Die Choreografien (= Schrittkombinationen), die der Trainer kreiert hat, sind immer angepasst auf Blöcke mit 32 Taktschlägen (Counts). Jeder Schritt (Schrittfolge) hat im Aerobic eine bestimmte Anzahl von Taktschlägen (Bsp.: Grapevine = 4 Taktschläge).

Ein Beispiel für eine leichte Hi/Lo Choreografie wäre etwa:

Count Aerobic Choreography Schritt/Move
1-4 Walk vor
5-8 Heel Dig x 2
9-12 Walk zurück
13-16 Lunges back x 4
17-24 Lunges side x 4
27-32 Knee Lift Single/Single/Double
———- —————————————————————————————–
1-32 Left Leg Leads

Es gibt eine Menge Ausbildungsinstitute, die Aerobic Trainer ausbilden (Heute heissen diese Ausbildungen aufgrund der geänderten Anforderungen im Kursraum „Trainer/in für Groupfitness“). Dabei hat jedes Ausbildungsinstitut seine eigenen Ausbildungsverordnungen. Auch die Kosten für eine solche Ausbildung variieren stark, sie liegen zwischen 500,- Euro bis zu 1500.- Euro, je nach Ausbildungsdauer und Ausbildungsinstitut. Die Ausbildung schliesst mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. Ist diese bestanden erhält der erfolgreiche Teilnehmer eine „Lizenz“, die manchmal zeitlich begrenzt ist und im Laufe der Zeit durch Weiterbildungsmodule verlängert werden muss.

Musiklehre

In der Aerobic lehnt sich die Choreografie stark an die Musik an. Es wird eine 4/4 Takt Musik verwendet, die durchgängig im 32er Bogen gemixt ist. Das heisst: Der Musikbogen (Counts 1-32) läuft während der gesamten Stunde ohne Pause durch. Dies hat den Vorteil, dass weltweit nach annähernd den selben Regeln unterrichtet wird und ein Aerobic Instruktor fast überall unterrichten könnte.

Methodik in der Aerobic Choreography

Der Trainer hat verschiedene Möglichkeiten, die Schrittfolgen an die Teilnehmer zu vermittlen. Das langsame Aufbauen einer Choreografie bezeichnet man auch als „Breakdown“.

Methode Beschreibung
Linear Ist die einfachste Variante. Hier werden die Schritte einfach hintereinander angehangen. Beherrscht der Teilnehmer eine Bewegung, wird die nächste Bewegung einfach dazu genommen (Add on)
Layering Es wird zunächst ein Grundgerüst von 32 Counts (auch symmetrisch) aufgebaut, und die einzelnen Elemente dann später verändert. Dies hat den Vorteil, dass der Trainer sich sehr gut an das Level der Teilnehmer anpassen kann
Visual Preview Der Teilnehmer verharrt in einer ihm geläufigen Bewegung und erhält die neue Version eines Schrittes parallel vom Trainer „serviert“
Reduktions Methode Es werden zunächst Schritte mehrfach hintereinander aufgebaut. Am Schluss erfolgt die Reduktion der Schritte soweit, bis sich die Choreografie wieder in den 32er Bogen einfügt
Crossphasing Die Schritte werden möglicherweise so aufgebaut, dass man zunächst glaubt, den „natürlichen Musikbogen“ zu verlassen. Durch Anreihung verschiedener Schritte (auch mit unterschiedlichen Rhythmisierungen) endet die Choreografie dennoch korrekt im Musikbogen.

Schritte

Counts Schritt
1 March
2 Step touch
2 Jumping Jack
2 Kick
2 Knee Lift
4 Double Step touch
4 Grapevine
4 V-Step
2 Heel Dig
2 Lunge
1 Jog (Single)
4 Mambo / Mambo cha-cha-cha
4 Out/in

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Kategorie
Aerobic ChoreographyTraining-Praxis
10 Kommentare zu diesem Beitrag
  • sandy
    15 Juni 2015 at 13:44
    Hinterlasse ein Feedback

    hallo alex, ich brauche für meine prüfung einen leichten fusswechsel. habe momentan leg curl – single, single, double. finde das aber nicht so einfach weil die tn ja meisst nur mitkommen wenn man immer single single double sagt. ich muss ja auch noch währenddessen sagen was nach dem schneiden danach kommt. hast du eine idee, einen leichten symetrischen fusswechsel zu erhalten, den die tn auch mal so hinbekommen wenn ich einen durchgang nicht ssd sage?

    danke im vorraus

    • Alex Krauss
      19 Juni 2015 at 10:00
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      Hallo Sandy, ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmer nach einer gewissen Zeit die Ansage eines Schrittes, den sie beherrschen, nicht mehr benötigen. Ich finde es wichtig, dass die Teilnehmer nicht nur mit Kommandos überschüttet werden. Ich weis, dass das in den Prüfungen der Ausbildungsinstitue oft bis zum Erbrechen geübt und gefordert wird. Da macht es dann vielleicht auch noch Sinn, weil du dir die Fähigkeiten dort ja aneignest und zeigen sollst. In der Praxis (Studio- oder Vereinsalltag) sieht das allerdings anders aus. Dort sage ich persönlich die Schritte immer nur solange an, bis diese beherrscht werden. Da finde ich es dann wichtig, dass die Teilnehmer gewisse Teile auch selbstständig ausführen können. Ich mache dann nur noch dort verbales Cueing, wo es notwendig ist. Wenn du einen Schritt haben möchtest, der einen kürzeren Wortlaut hat, dann könntest du beispielsweise mit einem Chassee‘ arbeiten. Wenn du das Kommando 4, 3, 2 gibst, dann ist noch genügend Platz um das Kommando mit anderen Worten aufzufüllen. Meine Meinung ist jedoch, dass die Teilnehmer den Beinwechsel selber beherrschen sollten. Genau dann sind sie auch bereit für die nächste Änderung. Ich habe damit beste Erfahrungen gemacht. Mit einem lieben Gruß aus Köln ALEX

  • Anja
    19 Januar 2015 at 13:24
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    Hallo,

    kann mir jemand helfen, ich sehen gerade vor lauter bäumen den wald nicht mehr. muss für eine ausbildung einen kursverlaufsplan für ein aerbic warmup machen. folgende vorgaben habe ich:

    1. ganzkörperbewegungen
    2. gelenkmobilisation
    3. pre-streches

    Die Ganzkörperbewegungen müssen 1/3 des Warm ups ausmachen.
    Das Warm Up muss einen Raumweg enthalten

    Folgende Gelenkmobilisationen sind ein muss:
    1. Schultergelenk
    2. Hüftgelenk
    3. Kniegelenk
    Jede Mobilisation dauert mindestens 16 Taktschläge.

    Pre-Strechtes:
    Gedehnt werden müssen der M. gastrocnemius sowie zwei weitere Muskeln, das sind der M. pectoralis major und M. illopasoas
    Jede Pre-Stretch sollte mindestens 16-32 Taktschläge gehalten werden

    • Alex Krauss
      20 Januar 2015 at 09:56
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      Hallo Anja, das ganze klingt schwerer, als es eigentlich ist. Ganzkörperbewegungen werden im Warm up mit einfachen Low Impact Aerobic Schritten gemacht. Beispiel ist Step Touch oder Side to Side, Leg Curl. Wenn dein Warm Up insgesamt also 10 Minuten lang wäre, würdest du etwa 3-4 Minuten diese Schritte ausführen. Die Gelenkmobilisationen kannst du z.B. mit kleinen Plies, Knee Lifts und Abduktion des Armes (= Seitheben) einfügen. Mein Tipp: Mache nach jeder Gelenkmobilisation eine Ganzkörperbewegung. So hast du immer einen Anhaltspunkt, wo du gerade dran bist. Die Dehnungen fügst du ebenfalls nicht hintereinander ein. Nach 32 Counts solltest du wieder in eine Ganzkörperbewegung gehen. Wenn du zu viele Dehnungen/Pre-Stretches hintereinander machst, kann es ansonsten passieren, dass deine Teilnehmer sich nicht wohlfühlen, weil sie nicht „auf Touren“ kommen.
      So könntest du den Aufbau folgendermassen machen: Im Wechsel Ganzkörperbewegungen, Gelenkmobilisation, Ganzkörperbewegungen, Pre-Stretch und wieder alles von vorne. Insgesamt würdest du dann drei Durchläufe machen und hättest alles was gefordert ist drin. Hilft dir das weiter? Oder benötigst du noch weitere Hilfe?

  • Caro
    4 Juli 2013 at 23:18
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    P.S. Wo kann ich denn Deinen Kanal abonnieren? LG Caro

  • Caro
    4 Juli 2013 at 23:12
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    Hi Alex, auch ich fand Deine Choreo super. Hab wieder viel davon mitnehmen können. Ich hatte erst heute noch eine Aerobic Stunde. Im letzten Studio in dem ich gearbeitet habe, gab’s das gar nicht mehr, da hab ich mich manchmal beim Warm Up ausgetobt, im neuen Studio gibt es Aerobic wieder, genauso wie Step für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Aerobic und Step, das sind für mich elementaren Kurse. Ich stimme der Nina auch zu, wir müssen es weiter führen. Ausserdem sind das unsere Choreographien (die zwar aufwendig zu erstellen sind, danach aber viel einfacher auswendig zu lernen sind. Ausserdem können wir die Musik einsetzen, die uns gefällt) Es lebe die eigene Kreativität. Bin gespannt auf Deine weiteren Vorträge….hoffentlich bald noch einmal eine Aerobic Choreo…Viele Grüße Caro

    • Alex Krauss
      5 Juli 2013 at 07:58
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      Hey Caro, danke für deinen Kommentar. Sieht so aus, als ob die Aerobic / Step Fangemeinde größer ist, als man glaubt. Du bist also sozusagen den Aerobic / Step Kursen hinterhergereist, bis du das Studio gefunden hast, wo du es noch unterrichten kannst?! 😉
      Vermutlich werden mehr Instruktoren Aerobic / Step in ihren Kursen einsetzen, als viele Trendsetter glauben.
      Bis jetzt sind alle Trendbewegungen immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück gekehrt.
      Du sprichst mir mit deinen Äusserungen aus der Seele. Ich kann das von dir gesagte 100% auf mich portieren.
      Auch dein Hinweis zum Aufwand: AGREE !!!

      Danke 🙂

  • Nina
    3 Juli 2013 at 18:34
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    Hallo Alex,
    vielen Dank für die tolle Aerobic-Choreographie! Schöne Schritte!!!
    Ja, es gibt sie noch die Aerobic Kurse, ich habe einen reinen Aerobic-Kurs einmal pro Woche! Und es macht auch mir immer noch total Spaß! Im Vergleich dazu habe ich min. 4 Zumba® Kurse pro Woche… Auch wenn es für mich doppelter Aufwand ist Choreos zu machen, behalte ich trotzdem meinen Aerobic Kurs bei, ganz aussterben wird es nie, zumindest wenn wir Trainer daran glauben!

    • Alex Krauss
      3 Juli 2013 at 19:44
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      Hallo Nina, das hast du sehr gut ausgedrückt: Wenn wir Trainer daran glauben … Ich denke genauso. Die Aerobic Zeit wird irgendwann wieder da sein … Dann schlägt unsere große Stunde 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar
      Gruß Alex

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