Illustration: Blick in das innere des Menschen - Gehirn als Schaltzentrale für alle menschlichen Bewegungen

Ein echtes Fitnessprogramm für den Kopf. Was steckt hinter einem Neuroathletik Training? Eine sportliche Hirnbetätigung? Beim Neuroathletik Training sollst Du durch einfache Übungen Deine Leistung, Deine Standfähigkeit oder die Koordination von Bewegungen verbessern. Wie funktioniert das und für wen ist es gedacht?

Blick auf den Ursprung des Neuroathletik Trainings

Das Neuroathletik Training hat seine Wurzeln in den USA. Anfang der 2000er Jahre entwickelte der Chiropraktiker und Humanbiologe Dr. Eric Cobb ein Trainingskonzept, das sich auf die Verbesserung der Verbindung vom Gehirn zum Körper konzentrierte. Unter dem Namen “Z Health” präsentierte Cobb einfache Übungen, die ausschließlich das Gehirn anregen sollten.

In Deutschland wurde Neuroathletik durch den ehemaligen Leistungssportler Lars Lienhard populär gemacht. Lienhard hatte in Amerika von Cobb die Prinzipien von “Z Health” gelernt und zusammen mit dem Mediziner Bücher veröffentlicht, die sich rund um das Training der Nerven und des Gehirns zur Steigerung der Leistung konzentrierten.

Mit seinem neuartigen Trainingskonzept griff Lienhard bereits mehreren Profisportlern erfolgreich unter die Arme. Er war zum Beispiel 2014 in Brasilien für die Unterstützung der deutschen Fußballmannschaft zuständig. Seine Trainingsmethoden hatten also ein Stück weit den Weltmeistertitel für Deutschland geholt!

Auch die deutsche Sprinterin Gina Lückenkemper hat auf die Hilfe von Lars Lienhard und sein Neuroathletik Training gesetzt. 2017 lief sie bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft die 100 Meter in weniger als 11 Sekunden. Lückenkemper selber schreibt ihren Erfolg dem Training zu, das Lars Lienhard ihr vor dem Wettkampf verordnet hatte. Unter anderem soll Lückenkemper sich regelmäßig mit einer 9 Volt Batterie kleine Stromstöße auf die Zunge gegeben haben, um die Signalweiterleitung der Impulse von ihren Muskeln zu ihrem Gehirn zu beschleunigen.

Training des Gehirns – Wie soll das funktionieren?

Auch wenn beim regulären Sport Deine Muskeln und Deine Organe Schwerstarbeit leisten, ist das noch nichts im Vergleich zu der Arbeit, die Dein Gehirn bewältigt. Jede noch so kleine Bewegung wird von dem Gehirn gesteuert und jeder Nervenimpuls will verarbeitet werden. Stell Dir vor, jemand wirft Dir einen Ball zu. Deine Augen registrieren den Ball. Sie schicken ein Signal ans Gehirn. Dieses wertet das empfangene Signal aus und schickt seinerseits ein Signal an Deine Hände und Arme, damit Du das auf Dich zufliegende Ding rechtzeitig in der Luft auffangen kannst, bevor es Dir auf die Nase knallt. Genauso steuert Dein Gehirn, wie sich die Muskeln beim Laufen bewegen oder wie das Gewicht im Körper verteilt wirst, wenn Du stehst.

Allerdings kann es manchmal dazu kommen, dass das Gehirn seine Kommandos nicht ganz “sauber” übermittelt. Das kann beispielsweise davon kommen, dass es Störungen bei den eingehenden Signalen Deiner Gliedmaßen oder Deiner Sinnesorgane gibt.

Das Neuroathletik Training setzt genau an der Verbindung zwischen deinem Körper und deinem Gehirn an. Durch gezielte Übungen werden die Stolpersteine zwischen deinem Körper und dem Hirn aufgedeckt, um diese im Anschluss durch regelmäßiges Training zu beseitigen. Wenn du zum Beispiel als Fußballer immer Probleme dabei hast den Ball in die rechte obere Ecke zu schießen, kann das daran liegen, dass deine Augen nicht richtig zueinander abgestimmt sind. Dein Sichtfeld ist geringfügig verschoben. Wenn du dann die besagte Ecke anvisierst, zielst du mit dem Körper tatsächlich ein paar Zentimeter zur Seite und der Schuss geht immer daneben. Hier kann das Neuroathletik Training Abhilfe schaffen. Indem du mit Übungen für die Augen dein Sichtfeld korrigierst, kannst du die Ecke schnell und präzise anpeilen und auch treffen. Dabei stellen sich erste Erfolge bereits nach wenigen Minuten des Trainings ein. Um einen dauerhaften Effekt zu erzielen, musst du aber regelmäßig deine Übungen machen.

Für wen ist Neuroathletik Training geeignet?

Auch wenn Lars Lienhard hauptsächlich Profi-Sportler betreut, ist sein Neuroathletik-Training für jeden Sportler geeignet, der seine Leistung verbessern möchte oder der im Alltag unter Beschwerden wie Rückenschmerzen (Wirbelsäulengymnastik: Rückenschmerzen ade!) oder Fehlstellungen leidet. Das Schöne dabei ist, dass sich das Training an alle Altersgruppen richtet. Denn Dein Gehirn ist selbst bis ins hohe Alter noch lernfähig.

Allerdings wird jedem, der das Neuroathletik Training einmal ausprobieren möchte, erst ein Besuch beim Arzt oder Sportmediziner empfohlen. Bei diesem Termin können die Sportler überprüfen lassen, wo ihre Probleme ihre Wurzeln haben. Mit diesen Informationen ist es im Anschluss deutlich einfacher für einen Neuroathletik Trainer einen passenden Trainingsplan zusammenzustellen, um die jeweiligen Probleme gezielt anzusprechen.

Ersetzt das Neuroathletik Training normalen Sport?

Das Neuroathletik Training ist nicht als eine Ersatzsportart zu verstehen, mit der Du Dich fit und in Form bringen kannst. Es handelt sich vielmehr um ein Paket an zusätzlichen Übungen, mit denen Du langfristig Deine Bewegungsabläufe, Deine Haltung und die Belastung Deiner Muskeln verbessern sollst. Dafür ist es wie beim Sport auch notwendig, dass Du die verschiedenen Übungen regelmäßig und gewissenhaft ausführst. Mit der notwendigen Disziplin können sich aber bereits nach wenigen Wochen deutliche Verbesserungen feststellen, die Dich in Deinem regulären Training weiter nach vorne bringen werden.

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