Gestresste Person, die ihre Hände über dem Kopf zusammenschlägt

Was sind Stressfaktoren? Wir Menschen sind ein Produkt unserer Umwelt – jeden Tag nehmen unsere fünf Sinne Dinge in unserer Umwelt wahr, die unser Körper dann als Reize an unser Gehirn weiterschickt.

Je nachdem, wie wir geprägt sind, löst das dann Wohlbefinden oder Stress aus. Hören wir etwa tolle, ruhige Lounge-Musik, fühlen wir uns entspannt, lehnen uns zurück und lassen uns fallen. Stellen wir uns nur vor, wir hören lauten Straßenlärm, vielleicht Auto-Hupen, Baustellengeräusche und einen unruhigen Verkehr, empfinden wir Stress. Unruhe kommt in uns auf, vielleicht fühlen wir uns belästigt, gestört oder gehetzt. Reize, die letztere Reaktion in uns auslösen, bezeichnen wir als Stressoren oder Stressfaktoren.

Wodurch entstehen Stressfaktoren?
Was uns stresst und was nicht, hat mit vielen verschiedenen Bedingungsfaktoren zu tun. Einerseits spielt unsere ganz persönliche Erfahrung eine große Rolle: So verbinden wir einige Geräusche mit positiven Erinnerungen, einige mit negativen. Während einige von uns sich von kritischen Worten anspornen und motivieren lassen, wirken diese auf andere lähmend. Andererseits sind wir auch gesellschaftlich geprägt: Dinge, die uns früher in großen Stress versetzt haben, stören uns heute nicht mehr, etwa Hunger oder Kälte, da wir diese Bedürfnisse heute schnell befriedigen können. Dafür haben andere, vor allem psychische Stressfaktoren, für uns an Bedeutung gewonnen.

Die größten Stressfaktoren in Job und Freizeit

Doch was sind diese Stressfaktoren, die uns das Leben im Job und in der Freizeit schwermachen?

  • Zukunfts- und Existenzängste: Keine Frage: Wer um seine finanzielle oder gesundheitliche Existenz fürchten muss und in seinem Alltag, etwa durch unbezahlte Rechnungen oder einen niedrigen Kontostand, immer wieder daran erinnert wird, der empfindet permanente Stressgefühle. Jene Unsicherheit führt zu dauerhaften Unruhezuständen, Bluthochdruck und Nervosität. Damit kann dieser Stressfaktor auch Schlaf- und Appetitlosigkeit auslösen und so erhebliche Auswirkungen auf unsere Lebensqualität haben. Existenzangst bedeutet also, Angst davor zu haben, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Im Extremfall geht dies sogar so weit, dass man glaubt, daran zugrunde gehen zu können, oder daran zu sterben. Diese Angst kann aus finanzieller Sicht aber auch gesundheitlicher Art begründet sein. Ein Beispiel ist die Kündigung durch den Arbeitgeber und der damit verbundene Verlust des Arbeitsplatzes, oder vom Unternehmen angeordnete Kurzarbeit in wirtschaftlich schweren Zeiten oder Ausnahmesituationen, das Fehlen von Aufträgen oder Projekten bei Freelancern oder Gewerbetreibenden und so weiter. Alles dies mit dem Endresultat, dass das Geld und die Einkünfte nicht reichen werden, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Vielleicht geht sogar das geliebte Eigenheim den Bach herunter und man fällt anderen dann zur Last. Dabei existiert eine Angst davor, mit dem Unerwarteten nicht fertig werden zu können oder diese spezielle Situation nicht meistern zu können. Die Gedankengänge der Betroffenen gehen dabei weiter und weiter und wird wie eine Art Kaskade ineinandergelegt. Ein Beispiel gefällig? Angst vor fehlenden Aufträgen –> geringeres Einkommen –> Miete kann nicht mehr bezahlt werden –> Familie leidet darunter und zerbricht –> Aussichtslosigkeit, sozialer Abstieg –> fehlender Lebenssinn. Solche Gedankengänge entstehen auch zu Zeiten, in denen nichts dergleichen akut ist, oder Anlass dazu geben würde anzunehmen, dass die Szenarien genauso eintreten. Die Gedanken sind bei den meisten Menschen in solchen Fällen fast immer identisch, jedoch ist die eigene Reaktion darauf und wie wir damit umgehen unterschiedlich. Die Wahrnehmung ist also eine andere.
  • Trauer und Liebeskummer: Eine ähnliche Wirkung haben schwerwiegende emotionale Zustände wie Trauer und Liebeskummer, also der Abbruch oder die Unterbrechung einer sozialen Beziehung, die Gefühle wie Verlassenheit, Einsamkeit und natürlich tiefe Traurigkeit auslösen. Solche Emotionen sind hochgradig belastend und lösen starken und langanhaltenden Stress in uns aus – vor allem, weil wir bei diesem Stressfaktor häufig recht hilflos und ohnmächtig sind. Trennungen und Liebeskummer erzeugen mentale und körperliche Schmerzen. Selbst, wenn wir die Trennung selber herbeigeführt haben, oder jemandem sagen müssen, dass wir seine Gefühle nicht erwidern können: Der Schmerz ist immer da. Es nimmt uns einfach mit. Das sorgt für sehr großen Stress. Wir sind antriebslos, haben keine Lust uns mit anderen Menschen zu treffen oder versinken in Selbstzweifeln. Das Gegenteil kennst Du bestimmt auch: Wenn Du frisch verliebt bist, dann kann Dich nichts stoppen. Du bist voller Tatendrang und wirst auch selten oder nie krank. Du strotzt vor Energie und willst dies am liebsten der ganzen Welt mitteilen. Dopamin wird ausgeschüttet und beschert uns fast schon einen Rausch. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wenn Du wirklich eine Trennung überwinden möchtest, dann hilft meistens nur ein kompletter Bruch. Ansonsten wird unser Gefühl immer wieder neu entflammt und erzeugt Stress für unseren Körper. Was aber hilft, sind Ablenkung und neue soziale Kontakte.
  • Konflikte und Streit: Es muss jedoch nicht immer ein großes Ereignis wie ein Todesfall oder eine Existenzbedrohung sein. Schon Konflikte und Streit können uns innerlich zum Brodeln bringen, Angst hervorrufen und uns die Konzentration rauben. Der Körper reagiert ebenfalls mit Stresssymptomen: Hoher Blutdruck, Händezittern und Schweißausbrüche sind keine Seltenheit bei heftigen Streitigkeiten. Und die Psyche zieht mit: Wir verlieren uns in Wut und Ärger und können nicht aufhören, an den Konflikt zu denken. Streit und Konflikte machen die Seele krank. Das wurde auch schon in einer aufwändigen amerikanischen Studie aus dem Jahr 2006 herausgefunden. Die Studie stellte fest, dass der Blutdruck bei Menschen, die sich häufig streiten oder in Konflikten befinden, signifikant ansteigt. Dies erzeugt unweigerlich körperlichen Stress. Frauen reagieren dabei körperlich stärker als Männer. Die Forscher fanden heraus, dass Frauen sich mehr um die Qualität ihrer Beziehungen sorgen, als Männer. Damit reagiert ihr Körper auch intensiver darauf. Mit Beziehungen sind auch Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen gemeint.
  • Multi-Tasking und Mehrfachbelastungen: Aber auch der ganz normale Wahnsinn unseres Alltags kann schon so einige Stressfaktoren mit sich bringen. Multi-Tasking und permanentes Wechseln von Aufgaben ist nicht nur kognitiv anstrengend, sondern führt auch zu Stress. Das ewige Hin- und Herspringen, etwa beim Arbeiten, ist dabei genauso schlimm wie klassische Mehrfachbelastungen: Immer mehr Menschen zerreißen sich etwa zwischen Familie und Beruf. Das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Welten führt dazu, dass wir in unseren Verpflichtungen förmlich ertrinken und uns permanent gehetzt fühlen. Es ist also besser, sich immer nur um eine Aufgabe zu kümmern und abzuschließen und dann die nächste Aufgabe anzupacken. Eine Priorisierung der Aufgaben kann dabei sehr hilfreich sein.
  • Perfektionismus und Leistungsdruck: Wenn zu den zahllosen Verpflichtungen noch eine hohe Erwartungshaltung an einen selbst dazukommt, ist der Stress nicht mehr zu vermeiden: Wer sich selbst keine Fehler erlaubt, nie mit seiner Leistung zufrieden ist und das Gefühl hat, er müsse immer noch mehr und mehr leisten, kann nicht loslassen und gönnt sich dementsprechend auch kaum nötige Pausen. Die Folge? Die teuflische Kombination aus anhaltendem Stresszustand und schlechtem Gewissen. Die Perfektionismusfalle schnappt schnell zu. Man möchte alles perfekt machen, plant jedes kleinste Detail, beginnt mit der Umsetzung und kommt einfach nicht zum Ende, weil man noch weitere Verbesserungen machen möchte. Es ist oft so, dass man für die letzten 10 % eines Projektes oft die meiste Zeit investiert. Das Verhältnis zum Ertrag stimmt dann einfach nicht mehr. Der Stress ist damit vorprogrammiert.
  • Ungesunder Lebensstil: Auch ein ungesunder Lebensstil, der sich aus schlechter Ernährung und mangelnder Bewegung zusammensetzt, löst Stressgefühle in uns aus. Wer sich permanent mit Zucker und salzhaltigen Speisen “überfrisst”, versetzt den Körper regelmäßig in Ausnahmezustände. Wer keinen Sport treibt, für den wird schon die Treppe im dritten Stock zum Ausnahmezustand. Eine gewisse Eigenverantwortung solltest Du also schon übernehmen. Aber auch fehlender oder ungesunder Schlaf, der bei vielen Menschen berufsbedingt, etwa wegen Schichtarbeit, zum Alltag gehört, wirkt sich absolut fatal auf unseren Stresspegel aus (Schlafmangel beheben). Schließlich erhält der Körper so nur unregelmäßig seine benötigten Ruhepausen – eine Routine kann nicht entstehen. Ein ungesunder Lebenswandel verursacht also auf vielen Ebenen Stress.

Um Stressfaktoren zu beseitigen, musst Du sie erst erkennen

Der Umgang mit Stress hat also eigentlich jeden Tag Einfluss auf unser Leben. Das größte Problem an diesen und weiteren Stressfaktoren? Wir erkennen sie häufig nicht. Die meiste Zeit leben wir unser Leben nach unseren Gewohnheiten – und jene Gewohnheiten schleichen sich oft ganz langsam und unbemerkt in unseren Alltag ein. Wer sich also fragt, warum er oder sie so oft müde, erschöpft und kraftlos ist, der sollte doch einfach mal einen genauen Blick auf seinen Alltag werfen und sorgfältig prüfen, ob sich einer der genannten Stressfaktoren unbemerkt im Alltag breit gemacht hat. Erst mit diesen Informationen wird es möglich sein, die einzelnen Baustellen anzugehen und nach Lösungen zu suchen. Denn: Erst, wenn wir sie erkannt haben, wird es schließlich möglich, mit diesen Stressfaktoren umzugehen – und damit dem Stress entgegenzuwirken.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here