To Do Liste mit Kugelschreiber

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, sprach einst der weise Helmut Schmidt. Tatsächlich muss ich jedesmal belustigt an diesen Spruch denken, wenn irgendwo von „Visionen“ die Rede ist.

Der Begriff der Vision wird heute vor allem im Berufsleben geradezu inflationär eingesetzt. Meistens übrigens leider genau dann, wenn es dem Redner, der sich selbst gern als Visionär sähe, an brauchbaren und umsetzbaren Ideen fehlt. Auch in manchen Motivationsseminaren fällt der Begriff von der Vision als großem Ganzen schon in den ersten drei Minuten. Von solchen Visionen reden wir in diesem Beitrag aber nicht, Du kannst Dich also entspannt zurücklehnen und weiterlesen.

Die Vision als Visualisierung eines Ziels

Weitaus nüchterner lässt sich so eine Vision betrachten, wenn wir sie als die Visualisierung eines Ziels betrachten. Es ist gut, wenn Du in Deinem Leben Ziele hast, sofern Dich Deine eigenen Zielvorgaben nicht unnötig unter Druck setzen. Doch wie funktioniert das nun konkret mit der Vision und der Visualisierung? Ein einfaches Beispiel: Nimm an, Du hast Dir zum Ziel gesetzt, einen Halbmarathon laufen zu wollen. Vielleicht hast Du Dich dabei schon für eine ganz konkrete Veranstaltung an einem ganz konkreten Datum entschieden und mit dem Training begonnen. Vor Deinem geistigen Auge stellst Du Dir nun vor, wie Du am Tag X an der Startlinie stehst. Wie Du gut trainiert und bestens gelaunt mit anderen über die Strecke fliegst, oder wie Du erschöpft und glücklich das Ziel erreichst (Fitness Vorsätze und Ziele). Das Bild von Dir selbst, wie Du strahlend mit der Finishermedaille um den Hals unter dem Zielbogen posierst, das ist Deine Vision: Eine von vielen möglichen Visualisierungen Deines Ziels.

Natürlich kannst Du auch eine ganz andere Vision haben. Du kannst Dir mehr Erfolg im Beruf und eine steile Karriere wünschen und natürlich bereits mit Volldampf daran arbeiten. Vor Deinem inneren Auge visualisierst Du das Bild von Dir im schicken Anzug in Deinem Büro in der Chefetage. Oder Du träumst von einem teuren Wagen oder einem anderen Statussymbol. Oder Du träumst davon, Dich zu verlieben und die Partnerin oder den Partner fürs Leben zu finden. Visionen und Visualisierungen gibt es wie Sand am Meer und wie gesagt, es ist sehr gut für den Menschen, wenn er Ziele in seinem Leben hat.

Von der Vision zur Wirklichkeit

Die Wege, die von der Vision zur Wirklichkeit führen sind so verschieden wie die Menschen selbst. Sehr viele Menschen sind vollkommen zufrieden damit, von ihren Vorstellungen zu träumen. Da es ihnen aber an nichts mangelt, sie gerne auch mal ein wenig faul sind, und ihnen das Erreichen der Ziele gar nicht wirklich so wichtig ist, bleibt es häufig bei den frommen Wünschen. Ob das nun gut oder schlecht ist, liegt einzig im Auge des Betrachters.

Andere Menschen verfügen über mehr Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Ausdauer. Was sie sich einmal in den Kopf gesetzt haben, das soll nach Möglichkeit auch stattfinden und wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln erarbeitet. Die nächstmögliche Stufe auf der Karriereleiter wird ganz bewusst gesucht, definiert und erklommen. Der Traumurlaub auf Hawaii wird stattfinden, denn es wird jetzt schon konsequent dafür gespart. Der Halbmarathon wird nicht nur gelaufen werden, sondern dank eines ausgeklügelten Trainingsplans auf jeden Fall auch in einer schnellen Zeit und mit einer guten Platzierung.

Visionen und der Alltag

Nirgendwo prallen Wunsch und Wirklichkeit so krass aufeinander wie im schnöden Alltag. Hunderte kleiner und großer Pflichten wollen erledigt werden, und vor lauter Dingen, an die man sonst noch denken muss, vergisst man häufig, überhaupt noch an sich selbst zu denken. Kennst Du das auch, dass Dir nachmittags der Magen knurrt und Du bemerkst, wie spät es schon wieder ist, ohne dass Du überhaupt Zeit zum Essen hattest? Die heutige Zeit wird immer schneller, voller und getakteter. Langeweile gehört der Vergangenheit an, längst wurde sie durch allseitige Reizüberflutung zunichte gemacht. Leider bleibt so aber auch meist nur sehr wenig Zeit, die eigenen Wünsche und Ziele aktiv zu verfolgen.

Viele Menschen sind heute bereits zu perfekten Planern und Optimierern geworden. Der Tag ist ohne Pause durchgeplant, und schon eine verspätete Bahn kann das ganze Konstrukt ins Wackeln bringen. Tutorials, Podcasts und How-To’s versprechen uns bestmögliche Selbstoptimierung auf der glorreichen Straße hin zur Perfektion. „If it’s not on Insta, it didn’t happen“. Du bist nicht der geborene Selbstdarsteller? Dann musst Du das inzwischen schon begründen können. Schneller als wir tatsächlich aktiv wegschauen können, haben wir so häufig unsere Träume und Ziele – und damit auch unsere Visionen – aus dem Augenwinkel verloren. Bestenfalls erinnern wir uns an sie und verschieben sie auf „später“. Was nun?

Inseln im Alltag schaffen

Wie kannst Du es schaffen, trotz der vielen Pflichten des Alltags an Deinen Träumen und Zielen festzuhalten und sie aktiv zu verfolgen? Kannst Du sie überhaupt noch erreichen? Tatsächlich ist dies meist nur möglich, indem Du ganz aktiv dran bleibst. Das kannst Du Dir selbst dadurch ermöglichen, dass Du Dir Zeitfenster und kleine Inseln in Deinen Alltag einbaust. Du kannst Dir fixe Termine setzen, die Du nicht mit anderen Verpflichtungen überbuchst, sondern in denen Deine Zeit nur Dir allein gehört. Das kann eine verlängerte Mittagspause an einem bestimmten Tag in der Woche sein, aber auch ein fixer Abend mit Deinen Freundinnen oder Freunden einmal pro Monat. Liegen Deine Visionen im sportlichen Bereich, so kann Dir ein Trainingsplan dabei helfen, den Überblick zu behalten. Feste Trainingszeiten in einem Verein kannst Du zudem meist leichter einhalten. Sie stehen bereits fest im Kalender, so dass Du Dich nicht abends allein motivieren musst.

Nur wenn Du Dir solche Inseln in Deinem Alltag ganz bewusst einrichtest und sie verteidigst, wirst Du Deine Ziele weiterhin im Auge behalten und aktiv an ihnen arbeiten können. Ganz nebenbei bieten sie Dir Entspannung und freie Zeit, die Du achtsam und bewusst für Dich selbst nutzen kannst. Dabei ist es wichtig, dass Du diese Zeiten nicht ebenfalls als Pflichtprogramm betrachtest, sondern sie ganz bewusst als Deine Freizeit wahrnimmst. Die Zeit, die Du dafür aufwendest, ist gemessen an den anderen 23 Stunden des Tages gar nicht mal wirklich so groß.

In vielen kleinen Schritten zum Ziel

Mache Dir auch bewusst, dass Du größere Ziele nicht mit einem einzelnen Sprung erreichen kannst, sondern dass Du viele kleine Schritte auf Deinem Weg investieren musst. (Teilziele setzen und einfach anfangen zu handeln) Hauruck-Aktionen führen selten zum Erfolg. Wer kontinuierlich und in Ruhe an etwas arbeitet, wird sich langfristig die Freude daran bewahren können und sein Ziel erreichen. Am deutlichsten wird dies vermutlich bei sportlichen Zielen: Wenn Du über Wochen und Monate hinweg konstant und in vernünftigen Mengen trainierst, wirst Du Deinen Körper stärken und Deine Fähigkeiten verbessern können. Zwei Wochen Bootcamp sind keine gute Vorbereitung für Deinen geplanten Halbmarathon, die regelmäßige Teilnahme an Deinem Lauftreff aber schon.

Um motiviert zu bleiben, benötigst Du deshalb vor allem zwei Dinge: Ausdauer und Geduld. Sollte Dir die Lust an Deiner Vision dennoch auf dem Weg abhandenkommen, so ist das nicht weiter schlimm. Es kann einfach auch nur ein Zeichen dafür sein, dass Du Dir ein Ziel vorgenommen hast, das aus welchen Gründen auch immer doch nicht das richtige für Dich war. Ist dies der Fall, dann kannst Du guten Gewissens von der Flexibilität Gebrauch machen, und Dein Ziel anpassen, neu definieren oder sogar ganz verwerfen. Es ist Dein Leben, und nur Du selbst entscheidest, was Du daraus machen wirst.

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