Cartoonzeichnung eines laufenden Gehirns

Kann Ausdauersport das Gedächtnis stärken? In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist – so sagt schon eine alte Weisheit. Auch wenn wir sie inzwischen so oft gehört haben, dass sie uns vielleicht sogar schon etwas abgedroschen erscheint, so enthält sie doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.

Denn das Befinden von Körper und Geist hängt sehr stark voneinander ab, Körper und Geist bilden die Einheit, die uns in unserer Gesamtheit ausmacht. Wir können Körper und Geist nicht als komplett unabhängig voneinander funktionierende Systeme betrachten. Dies zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass langfristige psychische Probleme sehr häufig auch physische Erkrankungen nach sich ziehen. Kurzum: Geht es dem Körper gut, so fühlt sich meist auch der Geist wohl, oder zumindest wohler und umgekehrt.

Wie entwickelt sich unser Gedächtnis?

Mit zunehmendem Alter nimmt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eines jeden Menschen ab. Dies ist ein ganz normaler Prozess, dennoch verlaufen die Leistungskurven individuell sehr unterschiedlich. Durch eine bewusste, gesunde Lebensweise und ein vernünftiges Maß an Bewegung können wir viel Gutes für unsere Gesundheit und den Erhalt unserer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit tun. Vor allem der gemäßigte Ausdauersport wird immer wieder als gesundheitsfördernde Komponente empfohlen. Eine Garantie jedoch gibt es leider nicht und zum Gesundbleiben gehört zusätzlich immer auch eine Portion Glück.

Auch unser Gehirn und damit unser Gedächtnis unterliegen bereits ab dem 20. Lebensjahr einem ganz natürlichen Alterungsprozess. Ständig sterben Zellen ab, während neue gebildet werden. Das Zellwachstum jedoch verlangsamt sich mit zunehmendem Alter rapide, wodurch die Gesamtzahl der Zellen mehr und mehr abnimmt. Und genau hier haben wir die Möglichkeit, ganz gezielt ein wenig in den natürlichen Alterungsprozess einzugreifen und ihn zu verlangsamen. Oder zumindest dafür zu sorgen, dass wir uns bei zunehmendem Alter länger fit und leistungsfähig fühlen.

Was passiert genau im Gehirn?

Für unser Erinnerungsvermögen ist der Hippocampus zuständig, ein ganz bestimmtes Areal in unserem Gehirn. Treiben wir in gesundem Maße Sport, so wird er wie alle anderen Gehirn- und Körperteile stärker durchblutet und besser mit Sauerstoff, wichtigen Nährstoffen und Spurenelementen versorgt. Dies führt zu einem aktivierten Zellwachstum. Dadurch behält der Hippocampus seine ursprüngliche Größe und Leistungsfähigkeit bei, anstatt Stück für Stück zu verkümmern. Eine größere Fläche gesunder Strukturen und eine bessere Qualität der Zellen wirken sich positiv auf die Leistung des Gedächtnisses aus. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie die Festplatte in einem Computer: Es bleibt genügend Speicherplatz vorhanden. Wir können uns Dinge leichter und in größerer Anzahl merken, da unsere Festplatte nicht so schnell überlastet ist. Der positive Nebeneffekt: Nicht nur der Hippocampus wird durch Sport gestärkt, sondern unser ganzer Körper.

Warum ist gerade Ausdauersport so gesund?

Der Ausdauersport wird in seiner moderaten und gesundheitsfördernden Form in einer Körperschonenden Intensität betrieben. Das Herz-Kreislaufsystem wird angeregt, die Fettverbrennung wird aktiviert, Muskeln und Gelenke werden erwärmt und gut durchblutet. Die Atmung findet sanft und regelmäßig statt. Übermäßige Belastungen des Körpers wie beispielsweise durch Gewichtheben oder Sprints bleiben aus. Solche Belastungsspitzen sind zwar nicht zwangsläufig schädlich für den Körper, stellen aber doch eine große Herausforderung dar, bergen ein höheres Verletzungsrisiko und sind vor allem für ältere Menschen meist gar nicht mehr realisierbar. Wenn wir hier von Ausdauersport sprechen, dann ist ein moderates Training im aeroben Bereich (Was ist eigentlich der Unterschied zwischen aerob und anaerob?) gemeint und nicht etwa der dreistündige Vorbereitungslauf im Marathontraining im Wettkampftempo.

Das Gedächtnis durch Sport entlasten: Warum das funktioniert

Mehr als jede andere Generation vor uns sind wir heute einer ständigen Flut an Informationen ausgesetzt. Unentwegt prasselt Input auf uns ein, den wir sortieren und filtern müssen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, nur eben für das Gehirn und unser Gedächtnis extrem anstrengend. Aus dem ganzen Informationshagel diejenigen Dinge herauszufiltern, die uns interessieren, lastet unser Gehirn oft schon voll und ganz aus. Manchmal so sehr, dass wir gar nichts mehr abspeichern können, selbst wenn wir es eigentlich möchten. Ständig hören, lesen, sehen und empfangen wir Botschaften, denn die Möglichkeiten zum Absenden von Nachrichten und Informationen sind durch die elektronischen Medien und ihre Vervielfältigungsmöglichkeiten ins Unendliche gewachsen. Das menschliche Gehirn jedoch ist von seiner Evolutionsgeschichte her gar nicht darauf ausgelegt, dies alles aufnehmen und verarbeiten zu können.

Nach einem ganz normalen Arbeitstag sehnen wir uns häufig bereits nach Ruhe. Der Sport bietet uns sehr gute und einfache Möglichkeiten, zu dieser Ruhe zu kommen, und uns wieder neu zu sammeln. Besonders Ausdauersport wie Laufen, Radfahren oder Walken bietet sich hier sehr gut an, da er aus sich wiederholenden und einfachen Bewegungsabläufen besteht, und allein durch ihre Gleichförmigkeit und Wiederholung schon fast meditativen Charakter haben. Im Unterschied dazu ist ein Mannschaftssport meist mit hoher Aufmerksamkeit, Konzentration und taktischen Entscheidungen verbunden. Laufen oder radeln wir nach einem anstrengenden Tag einfach gemütlich eine Stunde durch die Natur, so bringt dies unseren Geist und unser hoch aktives Gedächtnis erst einmal wohltuend zur Ruhe. Wir können entspannen und den Stress des Alltags hinter uns lassen. Viele Informationen, die uns eben noch durch den Kopf gingen, können wir dabei einfach hinter uns lassen und ihnen sprichwörtlich entfliehen. Unser Gehirn kommt zur Ruhe, wir finden leichter in einen gesunden und erholsamen Schlaf, und in unserem Gedächtnis wird neuer Speicherplatz frei. Deshalb fühlen wir uns nach dem Ausdauersport häufig zwar körperlich etwas erschöpft, dafür aber geistig frisch und erholt.

Ausdauersport unterstützt beim Lernen

Diesen Vorteil können auch Schüler und Studenten für sich nutzen, um besser und effektiver zu lernen. Regelmäßige Lernpausen können aktiv für Ausdauersport und Bewegung genutzt werden, damit neuer Speicher im Gedächtnis frei gemacht und aktiviert wird. Ein Abhängen vor dem Fernseher oder dem Computerbildschirm kann zwar auch entspannen, stoppt die Informationsflut jedoch nicht. Ganz nebenbei werden durch den Sport auch Verspannungen im Körper gelöst, die durch zu langes und falsches Sitzen ausgelöst wurden. Lehrer können bestätigen, dass ihre besseren Schüler meist auch regelmäßig sportlich aktiv sind, und dass Bewegungsmuffel sehr häufig auch schlechtere Zensuren aufweisen.

Gezieltes Training fürs Gehirn

Nicht nur durch Ausdauersport lassen sich Verbesserungen der Gedächtnisleistung erzielen, sondern auch durch ein gezieltes Koordinationstraining. Läufer kennen das so genannte Lauf-ABC, das aus einer Abfolge von Übungen besteht, die die Koordinationsfähigkeit und Balance des Körpers schulen und bei regelmäßigem Üben auch den Laufstil verbessern. Auch in vielen anderen Sportarten gehört das alternative Koordinationstraining zum Trainingsplan. Radfahrer zum Beispiel verbessern ihr Gleichgewicht auf der Slackline, und bei vielen Sportarten wird zusätzlich Yoga und Gymnastik praktiziert. Bei allen diesen Aktivitäten wird das Gehirn benötigt und aktiviert. Durch die gezielten Übungen bilden sich neue Synapsen und Verknüpfungen, die die Leistungsfähigkeit des Gehirns fördern und stärken. Dies hat immer auch Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung. Dass sich dabei auch noch die koordinativen Fähigkeiten des Körpers verbessern, ist genau betrachtet lediglich ein Zusatzbonus.

Abgeleitet aus den Erkenntnissen aus der Gehirnforschung wurden mittlerweile sogar ganz gezielte Gehirntrainings entwickelt. Coaches und Mentoren aus den USA sind maßgeblich an der Entwicklung dieser Braintrainings beteiligt. Ein Großteil der Übungen lässt sich ohne körperliche Aktivität ganz problemlos in Arbeitspausen am Schreibtisch integrieren. Auch bei diesen Trainings besteht der Ansatz darin, die Reizüberflutung des Alltags abzuschalten, und einige funktionale Konzentrationspunkte zu setzen. So kommt das Gehirn zur Ruhe, kann sich regenerieren und für neue Leistung bereit machen. Spezielle Übungen zur Stärkung der Gedächtnisleistung sind in fast all diesen Programmen enthalten. Alles in allem ist es also eine sehr erfreuliche Tatsache, dass wir unsere Gehirn- und Gedächtnisleistung zu einem nicht unerheblichen Teil tatsächlich selbst beeinflussen können.

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