Stress am Arbeitsplatz: Frau am Schreibtisch vor ihrem Laptop sitzend. Sie hält die Hände vor ihr Gesicht.

Stress am Arbeitsplatz

Jeder kennt es, von allen Seiten möchte jemand etwas von Dir, das Telefon klingelt ununterbrochen, die sozialen Netzwerke fordern Antworten von Dir, Dein E-Mail-Postfach füllt sich unentwegt und Dein Chef hat sich auch noch angekündigt, um die aktuellen Zahlen zu erfragen. Und dann ist da direkt nach der Arbeit noch der Einkauf und Deine Familie hätte heute Abend gerne noch etwas Schönes von Dir gekocht. Ohne Frage, da entsteht Stress! Doch was ist das eigentlich? Und wie kann ich mich, vor allem vor Stress am Arbeitsplatz schützen? Gibt es die groß umworbene „Work-Life-Balance“ wirklich?

Was ist Stress am Arbeitsplatz eigentlich genau?

Ursprünglich ist Stress eine natürliche Reaktion des Körpers, die auch einen bestimmten Grund und eine Schutzfunktion hat. Früher war es wichtig, dass der Kopf vorbereitet war auf einen Kampf oder eine Flucht. Hierbei spielt das Hormon Kortisol eine große Rolle. In solchen Situationen sorgt das Hormon dafür, dass der Blutdruck und der Puls steigen, die Muskeln komplett anspannen und wir unsere Atmung beschleunigen.

Der Körper signalisiert also Bereitschaft zur Flucht! Das diente also dazu, mit möglichst viel Energie und scharfen Sinnen auf eine Gefahr zu reagieren. Dies war aber nur für eine kurze Zeit und kein Zustand auf Dauer. In der heutigen Zeit wird dieser Alarmzustand jedoch meist durch ein überhöhtes Arbeitspensum ausgelöst und kann zu einem dauerhaften Zustand werden. Daher ist es umso wichtiger, sich die Arbeit möglichst zu erleichtern und sich bewusst zu werden, wann es zu viel wird.

Wie kann Stress am Arbeitsplatz entstehen?

Meistens ist Überforderung die Hauptursache. Hinzu kommen viele Aufgaben, die bewältigt werden müssen und Überforderung. Dieser Dauerstress, hinzukommende Überstunden und das Gefühl seine Arbeit nicht gutzumachen, kann sowohl zu körperlichen als auch zu psychischen Folgeerkrankungen führen. Wenn du an deinem Arbeitsplatz sehr viele Aufgaben bewältigen musst, weil du mit Arbeit vom Chef und von anderen Kollegen überhäuft wirst, wirst du früher oder später in solch einen dauerhaften Stresszustand geraten, der negative körperliche Folgen haben wird.

In einer 2016 angelegten Studie, die den Stress messen sollte, gaben über die Hälfte der Befragten an, von zu viel Arbeit und Termindruck gestresst zu sein. Weitere Stressfaktoren waren zudem mangelndes Feedback, eine schlechte Aufgabenverteilung und schlechte Briefings. Etwas weniger als die Hälfte der Probanden gaben an, dass sie wegen ungenauen Anweisungen ihrer Vorgesetzten und wegen unzureichendem oder nur negativ ausfallendem Feedback in Stress geraten würden.

Auswirkungen auf die Psyche

Schriftzug mit Pfeilrichtung links: Stress, mit Pfeilrichtung rechts Relax
Stress am Arbeitsplatz muss keine Einbahnstraße sein: Packe das Übel an der Wurzel.

Neben körperlichen Auswirkungen, die durch Stress am Arbeitsplatz hervorgerufen werden können, leiden Betroffene auch unter psychischen Problemen, dazu zählen unter anderem:

  • innere Anspannung und Unruhe
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Nervosität
  • Reizbarkeit
  • Unzufriedenheit

Dies sind erste Anzeichen, dass dein Alltag zu stressig ist und du solltest etwas verändern, um nicht an einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung leiden zu müssen. Zu solchen schwerwiegenden Erkrankungen der Psyche gehört beispielsweise die Depression. Diese Krankheit beschreibt eine anhaltende Niedergeschlagenheit, die das ganze Handeln und das Denken beeinträchtigt. Depressive Personen leiden unter einer gedrückten Stimmung und fühlen oft eine nicht greifbare Leere. Zudem haben sie meist keinerlei Freude mehr an Hobbys oder dem eigenen Beruf.

Ein weiteres Symptom der Depression ist die Antriebslosigkeit. Patienten fühlen sich ohne Kraft und sind ständiger Müdigkeit ausgesetzt. Eine weitere Folgeerkrankung der Psyche, die durch Stress hervorgerufen werden, kann sind Panikattacken. Bei einer solchen sind die Betroffenen einer stark spürbaren Angst ausgesetzt. Meist wird die Panikattacke ausgelöst, wenn zu viele Stressfaktoren auf einmal auftreten. Solch eine Panikattacke kann von ein paar Minuten, bis hin zu einer Stunde andauern.
Symptome können sein:

  • Herzrasen
  • Schwindel, Benommenheit bis hin zur Ohnmacht
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Beklemmungsgefühle

Eine dritte psychische Erkrankung, die dann oftmals ausgelöst wird, ist das Burn-out. Diese Erkrankung hat in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft extrem zugenommen.
Das Burn-out-Syndrom bezeichnet einen emotionalen, geistigen und körperlichen Zustand der Erschöpfung. Symptome dieser Erkrankung können sowohl körperlicher, als auch psychischer Ursache sein:

  • Lustlosigkeit
  • Versagensangst
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Versagensangst
  • Motivationslosigkeit

Stress am Arbeitsplatz und dessen Auswirkungen auf den Körper

Cartoonartig gezeichnete Frau, die mit Superkräften nach vorne prescht
Stress am Arbeitsplatz: Manchmal hilft nur die Flucht nach vorne

Wie bereits beim Burn-out-Syndrom ersichtlich können zunehmende körperliche und geistige Anspannungen enorme Auswirkungen auf den Körper haben.
Gerade im Gehirn wird ein Stresszustand deutlich. Zwar erhöht sich die Leistungsfähigkeit bei einer kurzen Stresssituation, jedoch ist das Gehirn bei lang anhaltenden dauerhaft überlastet. Dadurch verschlechtert sich auch deine Gedächtnisleistung. Im schlimmsten Fall tritt dann ein Schlaganfall auf, der ursächlich für chronische Überlastung steht.

Auch Sinnesorgane, wie das Ohr reagiert auf dauerhafte hohe psychische und physische Belastungen. Ein Beispiel ist der Hörsturz (Tinnitus). Zudem wird das Herz-Kreislauf-System durch chronische mentale Überlastungen fortwährend schwächer. In Forschungen fand man heraus, dass Dauerstress doppelt so häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervorruft, wie geringe physische und psychische Belastungen. Typische Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind:

  • erhöhte Blutfettwerte
  • Bluthochdruck

Diese Faktoren erhöhen natürlich das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Zudem kann dauerhafter Stress Herzrhythmusstörungen führen und auch der Magen-Darm-Trakt reagiert darauf. Durch zu viele Stresshormone produziert der Körper viel mehr an Magensäure, als normal. Dies ruft bei den Betroffenen Sodbrennen hervor. Zudem besteht auch ein höheres Risiko für Magengeschwüre, auch eine Magenschleimhautentzündung hat oftmals vermehrten Stress als Ursache.

Weitere Stressfolgen im Magen-Darm-Bereich sind chronische Verdauungsprobleme, wie Verstopfung oder Durchfall.
Insgesamt ist bei ständig anhaltenden mentalen und körperlichen Belastungen das Immunsystem geschwächt. Dafür ist wieder das Stresshormon Kortisol verantwortlich. Es schwächt die Abwehrkräfte deines Immunsystems. Du bist damit eine Zielscheibe für Viren und Bakterien und leidest häufiger an Infektionskrankheiten.

Ursachen von Stress am Arbeitsplatz

1. Immer mehr Aufgaben in kürzerer Zeit
Durch die gehäufte Arbeitsdichte nimmt der Druck am Arbeitsplatz ständig zu. Was zudem bei Arbeitnehmern zu mentalen und körperlichen Überlastungen führt, sind Umstrukturierungen und unsichere, begrenzte Arbeitsverhältnisse.

2. Termindruck und ständige erreichbar sein zu müssen
Viel um die Ohren zu haben und immer online sein zu müssen, macht uns langfristig wirklich im wahrsten Sinne des Wortes kaputt. Termindruck und Projektarbeit sorgen ebenfalls dafür, dass wir uns immer in einer gewissen Abspannung befinden. Wir bekommen Magenschmerzen und fühlen uns überfordert. Die sozialen Medien haben darauf ebenfalls einen großen Einfluss.

Wir wollen immer sehen, was es Neues gibt. Das blinkende Handy zwingt uns förmlich dazu, direkt zu reagieren. Wir haben ansonsten das Gefühl etwas zu verpassen. Meistens ist dies aber unbegründet. Mache doch einfach mal einen Selbstversuch und lasse das Handy einfach mal ein paar Stunden unbeachtet in der Ecke zurück. Du wirst feststellen, dass Du nicht wirklich viel verpasst hast.

3. Streitereien und fehlende Anerkennung
Streitereien in der Abteilung und mit dem Chef werden zudem zu einer Belastung und führen zu einem schlechten Arbeitsklima. Lob und positives Feedback, sowie die Anerkennung des Geschafften werden immer seltener.

Was kann ich gegen Stress am Arbeitsplatz tun? Tipps und Tricks

Die gute Nachricht kommt nun aber auch noch, nach den vielen Risiken und negativen Vibes. Du kannst etwas gegen den Dauerstress tun! Dies muss nicht immer ein Wechsel des Berufs sein, sondern manchmal helfen schon kleine Veränderungen. Diese sollen beispielhaft im Folgenden beschrieben werden.

1. Arbeitstag strukturieren.
Bei der Menge an Aufgaben, die täglich zu bewältigen sind, ist es wichtig, dass Du Dir morgens einen Moment Zeit nimmst, um die Tagesaufgaben zu strukturieren. Damit verschaffst Du Dir automatisch einen Überblick und kannst die Aufgaben nach Priorität sortieren und dann auch nach dieser Reihenfolge abarbeiten. Wichtig: Nimm Dir nicht zu viel vor. Lieber etwas weniger, sodass Du diese Aufgaben sorgfältig und ohne Stress erledigen kannst.

2. Regelmäßige Pausen.
Die Empfehlung klingt banal, wird aber nicht selten vergessen. Wer acht Stunden am Stück arbeitet, ohne eine kurze Verschnaufpause zu machen, ist nicht nur weniger leistungsfähig, sondern wird auch viel leichter gestresst sein. Deshalb: Gönne Dir regelmäßige Pausen, die Dir Erholung bringen. Wenn Du Deine Pause im Inneren verbringst, öffne ein Fenster oder noch besser, laufe ein paar Schritte draußen an der frischen Luft.

3. Arbeite selbstbestimmt.
Durch Arbeiten, die wir für jemanden oder im Auftrag von jemandem erledigen müssen, fühlen wir uns oft fremdbestimmt und dadurch schnell unter Druck gesetzt. Trau Dich bei zu viel auferlegten Aufgaben ruhig auch mal abzulehnen oder um mehr Zeit zu bitten – das steht Dir zu und ist durchaus legitim.

4. Reflektiere Deine persönlichen Stressauslöser.
Jeder hat andere Lebenssituationen und reagiert auf unterschiedliche Dinge genervt und wirkt dann schnell angespannt. Wichtig ist deshalb: Kenne Deine persönliche Situation und lokalisiere die Trigger, die Dich aus der Spur werfen! Um diese zu finden, sei ehrlich zu Dir und finde die Triggerpunkte, bei Bedarf auch mit professioneller Hilfe mithilfe eines Psychotherapeuten.

5. Bewegung.
Bewegung oder Sport im Speziellen wirkt sich positiv auf Deine innere Balance aus. Ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten genügt schon, um eine stresslindernde Wirkung zu erfahren. Achtsamkeitsübungen, Yoga oder Meditation sind weiterhin gute Möglichkeiten, um ein wenig mehr Ruhe und Ausgeglichenheit in Dein Leben zu bringen.

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